Über alle drei Schichten hinweg beteiligten sich nahezu die gesamte Belegschaft der Früh-, Spät- und Nachtschicht an den Warnstreikaktionen der IG Metall. Die hohe Beteiligung macht deutlich: Die Beschäftigten stehen geschlossen hinter den Forderungen der IG Metall und sind nicht länger bereit, die Blockadehaltung der Arbeitgeber hinzunehmen.
Federal-Mogul, heute Teil der Tenneco-Gruppe, produziert am Standort Wiesbaden hochwertige Gleitlager und Verbundwerkstoffe für die Automobilindustrie sowie für industrielle Anwendungen weltweit. Der Standort Wiesbaden-Schierstein ist zugleich Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionszentrum für moderne Gleitlagertechnologien.
Die Beschäftigten fordern im Rahmen der Tarifrunde 5 Prozent mehr Entgelt für zwölf Monate. Demgegenüber haben die Arbeitgeber bislang lediglich eine differenzierbare Einmalzahlung von 640€ ab Juli 2027 sowie eine tabellenwirksame Entgelterhöhung von 1,3 Prozent ab Juli 2028 bei einer Laufzeit bis Ende 2028 angeboten. Die IG Metall bewertet dies als unzureichend und als faktische Minusrunde.
Javier Pato-Otero, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Mainz-Wiesbaden, erklärte bei der Warnstreikaktion: „Die Beteiligung an den Warnstreiks zeigt eindrucksvoll, wie groß die Entschlossenheit der Beschäftigten bei Federal-Mogul ist. Die Kolleginnen und Kollegen sorgen täglich mit ihrem Fachwissen und ihrem Einsatz dafür, dass der Standort Wiesbaden wettbewerbsfähig bleibt und hochwertige Produkte weltweit geliefert werden. Umso unverständlicher ist das Angebot der Arbeitgeber. Eine differenzierbare Einmalzahlung im Juli 2027 und 1,3 Prozent mehr Entgelt erst im Juli 2028 sind kein ernsthafter Beitrag zu einer Lösung. Das ist ein Minusangebot. Die Beschäftigten würden damit trotz ihrer Leistung weitere Reallohnverluste hinnehmen müssen. Wer Kaufkraft stärkt, Investitionen am Standort ermöglicht und Fachkräfte halten will, muss deutlich mehr bieten. Wir erwarten endlich ein Angebot, das den Leistungen der Beschäftigten gerecht wird. Es geht um 5 Prozent mehr Entgelt, aber ebenso um Respekt, Zukunftsperspektiven und die Sicherung guter Industriearbeitsplätze.“
Pato-Otero betonte zudem die Bedeutung des Wiesbadener Standorts: „Gerade ein innovativer Standort wie Federal-Mogul zeigt, dass industrielle Wertschöpfung in Deutschland Zukunft hat. Dafür braucht es Investitionen, qualifizierte Beschäftigte und attraktive Arbeitsbedingungen. Wer Fachkräfte halten und gewinnen will, muss bereit sein, faire Tarifabschlüsse zu ermöglichen.“
Dirk Schneider, Betriebsratsvorsitzender von Federal-Mogul Wiesbaden, sagte: „Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren ihren Beitrag geleistet und immer wieder gezeigt, dass auf sie Verlass ist. Jetzt erwarten sie zu Recht, dass die Arbeitgeber ihrer Verantwortung ebenfalls gerecht werden. Gute Arbeit braucht gute Bedingungen und eine faire Bezahlung. Gleichzeitig brauchen wir klare Perspektiven für den Standort Wiesbaden. Die Kolleginnen und Kollegen wollen wissen, dass ihre Arbeitsplätze eine Zukunft haben und dass die industrielle Kompetenz dieses Standorts weiterentwickelt wird. Dafür setzen wir heute gemeinsam ein starkes Zeichen.“
Die Stimmung, während der Warnstreikaktionen war kämpferisch, solidarisch und von großer Geschlossenheit geprägt. Die außergewöhnlich hohe Beteiligung über alle drei Schichten hinweg zeigt den starken Rückhalt für die Forderungen der IG Metall und den Unmut über das bisherige Arbeitgeberangebot.
Mit den Warnstreiks senden die Beschäftigten von Federal-Mogul Wiesbaden ein deutliches Signal an die Arbeitgeberseite: Die Bereitschaft, gemeinsam für faire Entgelte, sichere Arbeitsplätze und eine starke industrielle Zukunft einzustehen, ist groß.
Die IG Metall macht deutlich, dass die Warnstreiks fortgesetzt und ausgeweitet werden können, wenn die Arbeitgeber in den kommenden Verhandlungen ihre Blockadehaltung nicht aufgeben. Die Beschäftigten erwarten ein Angebot, das ihrer Leistung Rechnung trägt, die Kaufkraft stärkt und Perspektiven für sichere Arbeitsplätze sowie starke Industriestandorte schafft.